Gleason-Score: Wie aggressiv ist mein Prostatakrebs?

 

 

Der Gleason-Score lässt Rückschlüsse darauf zu, wie aggressiv der Prostatakrebs ist. Somit hat er einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl der Krebsbehandlung. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Gleason-Score.

 

 

Was sind Gleason-Score und Grading?

 

Ein Prostatakrebs wird in der Pathologie nicht nur nach seiner Art, Größe und Ausdehnung eingestuft (TNM-Klassifikation), sondern auch nach seiner Aggressivität (Grading). Davon hängt es nämlich maßgeblich ab, welche Krebsbehandlungen in Frage kommen und am erfolgversprechendsten sind. Auch für die Prognose spielt der Gleason-Score eine wichtige Rolle. International wird für das Grading des Prostatakarzinoms der Gleason-Score verwendet. Der Name stammt von seinem Erfinder, dem amerikanischen Pathologen Donald F. Gleason.

 

Um diese Werte zu ermitteln, untersucht der Pathologie oder die Pathologin das Prostatagewebe, das bei einer Biopsie oder einer Operation (radikale Prostatektomie) entnommen wurde. Überprüft wird, wie stark die Krebszellen verändert sind und wie sehr sie gesunden Zellen noch ähneln.

 

Prostatakarzinome sind sehr unterschiedlich, was ihre Aggressivität angeht. Manche Formen von Prostatakrebs wachsen nur sehr langsam und sind wenig aggressiv. Andere Tumoren breiten sich dagegen schnell aus und neigen rasch dazu, Metastasen zu bilden, etwa in den Knochen. Ärzte und Ärztinnen bestimmen deshalb nicht nur das Stadium der Prostatakrebs, sondern auch seine Aggressivität.

 

Das Grading spielt bei vielen Krebsarten eine wichtige Rolle. Beim Prostatakrebs hat die Einteilung jedoch eine besondere Bedeutung: Denn Ärzte wissen, dass etwa 80 Prozent der 75-jährigen Männer einen bösartigen Tumor in der Prostata haben. Die meisten erfahren jedoch zu Lebzeiten nichts davon, weil der Prostatakrebs nur langsam wächst. Um ein ein „Zuviel an Behandlung“ – die Übertherapie – zu verhindern, müssen Mediziner aggressive von harmlosen Tumoren in der Prostata unterscheiden.

 

 

Welche Bedeutung haben Gleason-Score und Grading?

 

Ärzte ziehen immer verschiedene Faktoren und Untersuchungsergebnisse heran, um die geeignete Krebsbehandlung auszuwählen und die Heilungschancen abzuschätzen. Dazu gehören unter anderem:

 

  • PSA-Wert
  • TNM-Klassifikation
  • Grading
  • Alter 
  • Allgemeiner Gesundheitszustand - manche Männer haben zum Beispiel noch weitere Grunderkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes mellitus
  • Persönliche Wünsche, Vorstellungen und Überzeugungen

 

 

 

Anhand dieser Tumor-Charakteristika, Untersuchungsergebnisse und persönlichen Faktoren schlagen Ärzte und Ärztinnen zum Beispiel eine Operation, Strahlentherapie, aktive Überwachung oder ein beobachtendes Abwarten vor. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs gibt es noch weitere Behandlungen, zum Beispiel die Hormontherapie oder Chemotherapie.

 

 

Wie bestimmt man die Aggressivität des Tumors?

 

Pathologen und Pathologinnen nehmen das Tumorgewebe aus der Prostatabiopsie genauer unter dem Mikroskop unter die Lupe. So können sie festzustellen, ob es sich um einen mehr oder weniger aggressiven Tumor handelt. Nach einem bestimmten System beurteilen sie die Form und Anordnung der Prostatadrüsen. Vereinfacht gesagt ist ein Tumor umso aggressiver, je stärker sich das Gewebe von gesundem Drüsengewebe unterscheidet. Mediziner sprechen auch von der „Differenzierung des Tumors“.

 

  • Gut differenziert bedeutet, dass das Gewebe gesundem Gewebe noch relativ ähnlich ist.

  • Schlecht differenziert heißt, dass das entnommen Gewebe gesundem Gewebe sehr unähnlich ist und stark von diesem abweicht.

 

Wie wird der Gleason-Score ermittelt?

 

Für Prostatakrebs gibt es ein eigenes System - den Gleason-Score - mit dem sich die Aggressivität des Tumors angeben lässt. Vergeben wird eine Zahl zwischen 2 und 10. Je höher die Zahl ist, desto aggressiver ist auch der Tumor.

 

Den Gleason-Score bestimmen Pathologinnen anhand von Gewebeproben. Entweder wurden sie bei einer Stanzbiopsie oder bei einer Prostata-Operation entnommen. Beurteilt werden immer mehrere Gewebeproben: Je nach Zellmuster bekommen sie eine Kategorie von 1 bis 5 zugewiesen. Im zweiten Schritt wird aus den einzelnen Werten ein Gesamtwert errechnet. Bei Stanzbiopsien und Operationspräparaten geht man dabei unterschiedlich vor:

 

  • Gleason-Score bei Operationspräparaten: Hier werden die beiden Muster, die sich in der Gewebeprobe am häufigsten finden, addiert. Daraus ergibt sich ein Gleason-Score zwischen 1 + 1 = 2 (sehr geringe Aggressivität) und 5 + 5 = 10 (sehr große Aggressivität).

  • Gleason-Score bei Stanzbiopsien: Hier ist das Vorgehen vorsichtiger, da nur ein kleiner Teil des Gewebes untersucht wird. Das Muster, das sich am häufigsten findet, sowie das Muster, das am stärksten vom Gesunden abweicht, werden addiert. Außerdem geht man davon aus, dass es bei der eingeschränkten Beurteilung nicht möglich ist, einen Tumor mit sehr geringer Aggressivität festzustellen. Deshalb ist der niedrigste Gleason-Score bei einer Stanzbiopsie 3 + 3 = 6. Der höchste ist auch hier 5 + 5 = 10.

 

 

 

Und das bedeuten die Zahlen „übersetzt“:

 

  • Gleason-Score 2 bis 4: gut differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 5 bis 6: mittelgradig differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 7: mittelgradig bis schlecht differenziert
  • Gleason-Score 8 bis 10: schlecht- bis entdifferenzierter Tumor


 

 

Wie verlässlich ist der Gleason-Score?

 

Nach einer Biopsie lässt sich der Gleason-Score nicht immer korrekt bestimmen. Es gibt Hinweise darauf, dass der Gleason-Score in der Biopsie bei etwa Viertel der Männer von den Ergebnissen nach der Prostata-Entfernung abweicht.  Zudem haben Studien gezeigt, dass die Beurteilung des Gleason-Scores sehr stark vom Pathologen abhängt. Das heißt: Wenn mehrere Pathologen die gleiche Gewebeprobe untersuchen, kommen sie sehr häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.

 

 

 

Quelle:

 

https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/gleason-score-aggressivitaet-prostatakrebs

 

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